Ein-Blick in die Werkstatt eines Graveurs

Nicht selten kommt es vor, dass Kunden beim Betrachten der fertigen Arbeiten ins Grübeln geraten. Wie ist die Arbeit wohl entstanden? Wurde das mit einer Nadel eingekratzt? Hat eine Maschine die Gravur ausgeführt? Oder auch ganz trivial … warum ist das denn so teuer?

Auf dieser Seite möchte ich versuchen Ihnen mein Handwerk etwas näher zu bringen und eventuell die ein oder andere Frage zu klären. Ob Sie nun schon ein wenig Ahnung vom Graveurhandwerk haben oder Ihnen dieser Beruf völlig neu ist, sicher finden Sie hier Interessante Einblicke. Nach und nach werde ich hier neue Fotos oder kleinere Videos zeigen die Ihnen die Entstehung meiner Arbeiten ein wenig erklären sollen.

Zur Frage nach der Maschine gibt es eine klare Antwort – alle meine Arbeiten sind reine Handarbeit. Es gibt werder CNC Maschinen noch einen Laser in meiner Werkstatt. Natürlich benutze ich Fräser und Bohrer für grobe Arbeiten. Aber jede Linie, ob dick oder dünn, lang oder kurz, gerade oder geschwungen … sie alle entstehen durch reine Handarbeit. Es liegt ganz an mir und meinem Gefühl wie tief ich den Stichel ins Material treibe, ob ich die Linie gerade steche oder einen Schwung graviere.

Ob ich mit einer Nadel ritze ist auch schnell geklärt. Im Prinzip ist das Gravieren ein Spanabhebendes Verfahren. Das Material wird immer mit dem Stichel herausgeschnitten. Wenn Sie also eine Gravur bei mir bestellen und die fertige Arbeit betrachten so wissen Sie jetzt, dass von jeder gestochenen Linie der passende Span bei mir in der Werkstatt liegt.

Ein Span der beim Gravieren entsteht.

Mit diesen Vorinformationen ergibt sich auch schon ein wenig die Antwort auf die Frage warum die Arbeiten einen gewissen Preis haben. Zwar ist es möglich auf fertige Motive zurückzugreifen. Aber den eigentlichen Reiz einer Gravur macht das Individuelle aus. Individualität entsteht nicht durch Massenware oder mit einer Schablone. Für jedes Unikat müssen neue Ideen gesammelt werden. Wenn vor dem geistigen Auge eine Grundidee entstanden ist geht es daran Skizzen zu fertigen. Nicht selten funktioniert eine Idee in der Praxis nicht so gut wie in der Theorie. Es sind also weitere Skizzen nötig, neue Entwürfe und irgendwann entsteht das fertige Motiv. Dieses wird dann sauber ausgearbeitet und als Gravurvorlage umgesetzt. Danach geht es ans Gravieren. Und dabei verbringt man dann oft viele Stunden. Kurz, der Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Objekt ist oft sehr zeitintensiv. Da ich weder eine Maschine benutze noch selber eine bin entstehen meine Arbeiten eben nicht auf Knopfdruck. Die Entscheidung ob man eine Handgravur oder eine Maschinengravur möchte ist eine ganz bewußte Entscheidung. Eine Maschine kann in kurzer Zeit viele Arbeitsschritte erledigen. Sie hat aber keine „Handschrift“ und ihre Ergebnisse zeigen keinen Charakter den ein Graveur seinen Arbeiten ganz von alleine mitgibt.

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Skizze für ein Anhänger eines Jägers / Falkners.

Im diesem Video erhalten Sie einen kurzen Überblick wie der Abzug eines Kupferstiches entsteht. Die Schritte sind wie folgt:

  • Auftragen der Farbe mit einer Walze
  • Einwalzen der Kupferplatte
  • Entfernen der Farbe mit Zeitung (grob) und mit einer Gaze (fein)
  • Entfernen des Plattentons mit dem Handballen
  • Positionieren der Platte und des Kupfersruckkartons in der Tiefdruckpresse
  • Ein Filz wird zwischen Platte und Walze gelegt
  • Durchwalzen der Platte

Für jeden Abzug müssen alle Schritte neu durchlaufen werden. Man kann also immer nur einen einzigen Druck anfertigen. Anhand des Videos wird deutlich, warum der Kupferstich zu den Tiefdrucktechniken zählt. Alle gravierten Linien (also alle Vertiefungen), die sich auf der Platte befinden, dienen lediglich dazu die Farbe für den Druck festzuhalten. In der Presse wird beim Druck der angefeuchtete Druckkarton selbst in die feinsten Vertiefungen gepresst und nimmt dabei die Farbe auf.

Als kürzlich ein Falkner einen Silberanhänger mit Habichtmotiv in Auftrag gegeben hat nutzte ich die Gelegenheit um ein paar kurze Videos vom Entstehungsprozess aufzunehmen. Die gesamte Gravurarbeit dauerte etwa 7 Stunden. In dem Video soll hauptsächlich vermittelt werden wie sich ein Motiv aus unzähligen Linien und Punkten zusammensetzt. Bei der gezeigten Arbeit liegen bis zu 16 gestochene Linien auf einem Millimeter nebeneinander – dabei ist zwischen den Linien immernoch Platz. Je mehr Linien oder Punkte aufeinander liegen umso dunkler wird die Fläche.